2012-12-18

Über die zweite Ehe

Gretl Pilz und Wolf Schmidt, 1949


1946 hatte Wolf Schmidt eine der begehrten amerikanischen Bühnen- und Theaterlizenzen ergattert, und machte sich auf die Suche nach geeigneten Darstellern für die "Zeitgenossen" und die "Heitere Bühne". Auf sein kleines Inserat in der Wetterauer Zeitung meldete sich der Schauspieler und ehemalige Theaterdirektor der böhmischen "Pilzbühne", Georg Pilz. Dieser war mit seiner Familie gerade aus dem Sudetenland nach Hessen evakuiert worden. Bei der Vorstellung brachte er seine Töchter mit.


Alle drei „reizend“, teilte Wolf seinen Eltern am Mittagstisch mit - „und die Mittlere wird meine Frau!“

Dieser schnelle Entschluss sollte sich als Glücksgriff erweisen, denn mit Gretl Pilz bekam er nicht nur eine versierte Bühnenpartnerin, sondern genau die Inspirationsquelle, die er brauchte, um sein lange geübtes theoretisches Können in Werke mit Witz und Spannung umzusetzen.

Gretl war neun Jahre jünger als Wolf. Sie stand schon als Kind auf der Bühne, und wusste daher genau, was beim Publikum ankommt. Außerdem war sie einfallsreich und konnte dadurch zu der Ideenentwicklung beitragen. Innerhalb von kurzer Zeit entstand eine erstaunliche Anzahl von Sketchen und Einaktern, die mit ihr als Partnerin bei bunten Samstagnachmittagen in Stuttgart und Frankfurt aufgeführt wurden.

Gretl Pilz und Wolf Schmidt auf der Funkausstellung in Düsseldorf 1950


Anfang der 1950er Jahre war die fruchtbarste Phase dieser kreativen Partnerschaft. In dichter Folge entstanden die Staudenmaier- und Hesselbach-Hörspiele, die so erfolgreich waren, dass er sich an die Verfilmung der Hesselbachs machen konnte.

Gretl Pilz und Wolf Schmidt, 1952

1955, kurz vor dem Kinohit "Die Hesselbachs im Urlaub", wurde Tochter Susanne geboren. Im Abstand von jeweils drei Jahren folgten die Söhne Stefan und Michael.

Die glückliche Familienidylle in Hagnau am Bodensee sollte aber nur noch wenige Jahre dauern.

Familie Schmidt in Hagnau


1967 erkrankte Sohn Stefan an Leukämie. Für Kreativität war nun kein Spielraum mehr. Als Stefan 1969 starb, hatten sich bei Wolf Schmidt schon die ersten schleichenden Anfänge der Alzheimer Krankheit bemerkbar gemacht, die jede Arbeit zunichte machten.

Im Herbst 1974 konnte Gretl nicht verhindern, dass Wolf in eine Klinik für Demenzkranke eingewiesen wurde - eine Rückkehr nach Hause war nicht mehr möglich.

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